Branchenverbände - Schnelle Zusammenarbeit und Vernetzung gefordert
Treffen der internationalen Schüttgutverbände auf der POWTECH TECHNOPHARM am 29.09.2026
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Frage, wie Branchenverbände international stärker zusammenarbeiten können und welche Themen die Schüttgut- und Prozessindustrie in den kommenden Jahren besonders beschäftigen.
Nachwuchs und Young Professionals wurden als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben gesehen. Die Verbände wollen früher Kontakt zu jungen Menschen aufbauen – von Schulen über Hochschulen bis zu technischen Universitäten. Dabei soll die Industrie nicht nur theoretisch vorgestellt, sondern praktisch erlebbar gemacht werden. Unternehmensbesuche, Workshops, studentische Projekte und Kooperationen mit Hochschulen wurden als geeignete Möglichkeiten genannt. Entscheidend sei, jungen Menschen die Faszination von Technik und Verfahrenstechnik zu vermitteln.
Ein zweiter Schwerpunkt war die Zusammenarbeit von Industrie und Forschung. Am deutschen Beispiel wurde die Kooperation mit Forschungseinrichtungen und Forschungsvereinigungen angesprochen. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen verfügen häufig nicht über eigene große Forschungsabteilungen. Gemeinschaftliche Forschungsprojekte können deshalb einen erheblichen Nutzen bieten. Gleichzeitig können solche Projekte den Kontakt zwischen Hochschulen, Studierenden und Unternehmen stärken.
Breiten Raum nahm die zunehmende Regulierungsdichte in Europa ein. Die Teilnehmer beschrieben die Vielzahl neuer Vorschriften – unter anderem zu Maschinen, Sicherheit, Digitalisierung und KI – als erhebliche Herausforderung, insbesondere für kleinere Unternehmen. Verbände könnten hier eine wichtige Rolle übernehmen, indem sie Regelungen verständlich aufbereiten, Erfahrungen austauschen und ihre Mitglieder bei der praktischen Umsetzung unterstützen. Gleichzeitig wurde der Wunsch geäußert, dass technische und fachliche Themen gegenüber reinen Regulierungsfragen wieder stärker in den Vordergrund rücken.
Als großes Potenzial wurde eine intensivere internationale Vernetzung der Verbände gesehen. Viele Mitgliedsunternehmen, insbesondere kleinere und mittelständische Firmen, können internationale Märkte und Veranstaltungen nicht kontinuierlich selbst bearbeiten. Über die jeweiligen Partnerverbände könnten Kontakte zu Unternehmen, Märkten und Fachleuten wesentlich einfacher hergestellt werden. Diskutiert wurde deshalb unter anderem ein unkomplizierter Austausch von Kontakten und Informationen zwischen den Verbänden.
Dabei bestand weitgehend Einigkeit darüber, dass es zunächst keiner komplizierten neuen Strukturen bedarf. Zielführender seien konkrete gemeinsame Aktivitäten, aus denen sich Schritt für Schritt Vertrauen und eine dauerhafte Zusammenarbeit entwickeln können. Als erste, unkompliziert umsetzbare Formate wurden regelmäßige Videokonferenzen und Calls genannt. Darüber hinaus bieten sich internationale Workshops, gemeinsame Fachveranstaltungen sowie der Austausch von Experten und Mitgliedsunternehmen an.
Ein weiteres Thema waren Messen und Fachveranstaltungen. Hier wurde ein Wandel festgestellt: Unternehmen achten stärker auf Kosten, Zeitaufwand und konkreten Nutzen einer Messeteilnahme. Gefragt seien zunehmend kompaktere, thematisch fokussierte Veranstaltungen, bei denen Fachwissen, konkrete Anwendungen und qualifizierte Kontakte im Vordergrund stehen. Workshops und spezialisierte Fachformate könnten klassische Messekonzepte sinnvoll ergänzen.
Fazit
Das Gespräch zeigte eine hohe Übereinstimmung bei den zentralen Herausforderungen: Nachwuchs gewinnen, technische Begeisterung vermitteln, Forschung und Mittelstand zusammenbringen, Unternehmen bei der zunehmenden Regulierung unterstützen und die internationale Zusammenarbeit der Verbände pragmatisch ausbauen.
Als sinnvoller nächster Schritt zeichnete sich weniger die Gründung einer neuen formalen Organisation ab als vielmehr der Aufbau eines praktischen internationalen Netzwerks mit gemeinsamen Workshops, Hochschulkontakten, Fachveranstaltungen und einem direkten Austausch zwischen den Mitgliedsunternehmen.
Hier einige Impressionen:
DSIV-Präsident Tom Henning begrüßte Verbandsmitglieder und Gäste. Insbesondere begrüßte er die Vertreter der Partner-Verbände.
Dieses Mal aus Spanien zugeschaltet war Ferran Simón, der die geschäftlichen Aktivitäten von Techsolids, dem spanischen Verband für Feststoff- und Schüttguttechnologie, leitet. Mit seinen Erfahrungen und seiner internationalen Perspektive brachte er wertvolle Impulse in die gemeinsame Diskussion ein.
Mit der SHAPA (Solids Handling and Processing Association) aus Großbritannien war Stefan Zigan vertreten. Mit seiner ausgeprägten Expertise und seinen Erfahrungen aus dem universitären Umfeld bereicherte er die Diskussion in besonderem Maße und brachte wertvolle Impulse in den internationalen Austausch ein.
Ein profunder Kenner der internationalen Märkte und eifriger Diskussionsteilnehmer Christoph von Bila von FIKE
Die Gastgeberin Stefanie Leege von der POWTECH TECHNOPHARM der Messe Nürnberg
Engagiert dabei: Katharina Julia Kammann (KMH-KAMMANN METALLBAU GMBH) und Florian Kiel (TÜV Rheinland)
Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die konstruktive Diskussion und die wertvollen Beiträge. Die eingebrachten Ideen und Impulse bilden eine wichtige Grundlage, um die internationale Zusammenarbeit unserer Branchenverbände weiterzuentwickeln und nachhaltig zu stärken.