Der Tag der Filtertechnik 2026 im Rückblick

Die Helden des Tages

DSIV-Tag der Filtertechnik – Fachwissen, Praxis und intensiver Austausch

Der DSIV-Tag der Filtertechnik am 4. November 2026 in Hannover stieß auf außerordentlich großes Interesse. Die Veranstaltung war bereits im Vorfeld ausgebucht, die Zahl der Anmeldungen überstieg sogar die ursprünglich vorgesehenen Kapazitäten. Ein deutliches Zeichen für die Aktualität der behandelten Themen – und zugleich ein guter Grund, sich für künftige DSIV-Veranstaltungen möglichst frühzeitig anzumelden.
Von den technischen Grundlagen der Entstaubung über moderne Filterkonzepte und Messtechnik bis hin zum Brand- und Explosionsschutz sowie zur Dimensionierung von Rohrnetzen spannte sich der thematische Bogen. Neben den Fachvorträgen stand insbesondere der persönliche Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt der Veranstaltung.

DSIV-Vorstandsmitglied Jochen Baumgartner begrüßte die Teilnehmer und nutzte die Gelegenheit, insbesondere den zahlreichen neuen Gesichtern die besondere Kultur des Miteinanders im DSIV näherzubringen. Dabei betonte er die Bedeutung des offenen, kollegialen Austauschs mit einem DU, des persönlichen Netzwerkens und des gemeinsamen Wissenstransfers, die das Verbandsleben prägen.

Die fachliche Leitung und Moderation des Tages übernahm Bernhard Voss, DSIV-Fachleiter (Infastaub GmbH).
Er eröffnete die Veranstaltung mit einem Grundlagenvortrag zur Entstaubungstechnik. Dabei zeichnete er zunächst die historische Entwicklung nach und erläuterte die wesentlichen Mechanismen der trockenen Partikelabscheidung. Weitere Schwerpunkte bildeten der Aufbau und die Auslegung von Filteranlagen, die Entstaubung beim pneumatischen Transport von Schüttgütern sowie die Unterschiede zwischen dezentralen und zentralen Entstaubungskonzepten. Auch Explosionsschutz und Containment wurden behandelt.

Besonders anschaulich gestaltete Voss seine Ausführungen durch mitgebrachte Bauteile und Anschauungsobjekte. So konnten die Teilnehmer technische Zusammenhänge nicht nur anhand der Präsentation nachvollziehen, sondern die Komponenten unmittelbar betrachten und diskutieren.

Mehrstufige Filterkonzepte für anspruchsvolle Anwendungen
Alexander Steckroth von Keller Lufttechnik stellte anhand eines Praxisbeispiels dar, wie unterschiedliche Anforderungen an die Abscheidung von Schadstoffen in einem mehrstufigen Anlagenkonzept zusammengeführt werden können.
Im Mittelpunkt stand die Kombination verschiedener Abscheidetechnologien mit einem nachgeschalteten Trockenfilter, der unter Einsatz eines geeigneten Additivs betrieben wird. Neben der weiteren Reduzierung des Reststaubgehalts ermöglicht dieses Verfahren insbesondere eine zusätzliche Abscheidung beziehungsweise Reduzierung von polychlorierten Biphenylen (PCB) sowie Dioxinen und Furanen (PCDD/F).
Der Vortrag verdeutlichte, dass die Auswahl und Abstimmung der einzelnen Verfahrensstufen entscheidend für die Leistungsfähigkeit einer solchen Gesamtanlage sind.

Staubmessung als Grundlage der Prozessüberwachung
Mit der kontinuierlichen Staubmessung in Rohrleitungen, der Filterbruchüberwachung und der Kontrolle der Umgebungsluft beschäftigte sich Jens Bornhoeft.
Er erläuterte die unterschiedlichen Anforderungen an Messverfahren, die beispielsweise in Prozessleitungen, hinter Gewebefiltern oder zur Überwachung der Hallenluft eingesetzt werden. Dabei wurde deutlich, welche Bedeutung eine zuverlässige Messtechnik sowohl für die Einhaltung von Emissionsanforderungen als auch für die Anlagensicherheit und den Gesundheitsschutz besitzt.
Der fachlich fundierte und lebendig vorgetragene Beitrag führte zu intensiven Diskussionen. Die zahlreichen Fragen aus dem Teilnehmerkreis zeigten, welchen Stellenwert die Überwachung von Filteranlagen in der betrieblichen Praxis einnimmt.

Brand- und Explosionsschutz im Fokus
Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Brandschutz an Entstaubungsanlagen. René Schwertfeger von T+B Brandschutz erläuterte die besonderen Gefährdungen, die durch brennbare Stäube innerhalb von Filtergehäusen entstehen können.
Insbesondere das Zusammentreffen von brennbarem Staub, Sauerstoff und möglichen Zündquellen erfordert geeignete technische und organisatorische Schutzmaßnahmen. Schwertfeger stellte praxisnah dar, wie Brände frühzeitig erkannt, ihre Ausbreitung begrenzt und Menschen sowie Anlagen geschützt werden können.
Das Thema stieß bei den Teilnehmern auf großes Interesse und machte deutlich, dass vorbeugender Brandschutz bei der Planung und beim Betrieb von Entstaubungsanlagen eine zentrale Rolle spielt.

Daran knüpfte Dieter Lütkemeier von Fike Deutschland mit seinem Vortrag „Von der Risikobewertung zur sicheren Filteranlage“ an.
Ausgehend von der Betrachtung der 13 möglichen Zündquellen und der Einteilung explosionsgefährdeter Bereiche in Zonen erläuterte er, wie sich auf Grundlage systematischer Risikobewertungen geeignete Schutzmaßnahmen ableiten lassen. Dabei ging es insbesondere um die Abgrenzung zwischen vorbeugendem und konstruktivem Explosionsschutz und deren Umsetzung in der betrieblichen Praxis.
Beide Vorträge unterstrichen, dass die Sicherheit von Filteranlagen nicht durch einzelne Maßnahmen gewährleistet werden kann, sondern eine ganzheitliche Betrachtung der jeweiligen Prozesse und Betriebsbedingungen erfordert.

Rohrnetze richtig dimensionieren – ein lebendiger Abschluss
Den fachlichen Schlusspunkt setzte Dr.-Ing. Wolfgang Rückert vom Ingenieurbüro Rückert mit seinem Vortrag „Dimensionierung von Rohrnetzen – effektiver pneumatischer Abgleich bei Entstaubungsanlagen“.
Eine wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit einer Entstaubungsanlage ist die zuverlässige Erfassung und Abführung der vorgesehenen Luftvolumenströme. Über das Rohrleitungsnetz müssen diese von den einzelnen Absaugstellen zum Staubabscheider transportiert werden. Dabei kommt der richtigen Dimensionierung der Rohrleitungen und dem pneumatischen Abgleich des Gesamtsystems eine entscheidende Bedeutung zu.
Rückert stellte ein vom Ingenieurbüro entwickeltes Verfahren zur Dimensionierung von Rohrleitungsnetzen auf Grundlage eines pneumatischen Abgleichs vor. Anhand technischer Grundlagen und praktischer Beispiele erläuterte er den Ansatz und verdeutlichte, welche Bedeutung die Abstimmung der einzelnen Rohrleitungsabschnitte für die Funktion einer Entstaubungsanlage besitzt.
Dass der letzte Referent eines intensiven Veranstaltungstages häufig vor einer besonderen Herausforderung steht, ist bekannt. Dr.-Ing. Wolfgang Rückert gelang es jedoch, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer bis zur letzten Minute aufrechtzuerhalten. Mit seinem engagierten und anschaulichen Vortrag zog er die Zuhörer in seinen Bann.
Die anschließende Diskussion entwickelte eine bemerkenswerte Dynamik. Zahlreiche Fragen und Beiträge aus dem Teilnehmerkreis zeigten, wie relevant die richtige Auslegung von Rohrnetzen für die betriebliche Praxis ist.
Ein Teilnehmer brachte die Atmosphäre schließlich mit einem kurzen Kommentar auf den Punkt: „DSIV at its best!“

 

Alexander Steckroth von Keller Lufttechnik im Gespräch mit Andreas Kühn von EBRO ARMATUREN Gebr. Bröer GmbH – v.l.n.r.

Fachlicher Austausch als wesentlicher Bestandteil

Neben den Vorträgen waren die Gesprächspausen ein besonders wichtiger Bestandteil der Veranstaltung. Sie wurden intensiv genutzt, um Erfahrungen auszutauschen, konkrete betriebliche Fragestellungen zu diskutieren und bestehende Kontakte zu vertiefen.
Dabei wurde auch der Wunsch deutlich, bei künftigen DSIV-Veranstaltungen ausreichend Raum für persönliche Gespräche einzuplanen. Weniger Vorträge und dafür mehr Zeit für den fachlichen Austausch – diese Anregung aus dem Teilnehmerkreis wird bei der weiteren Veranstaltungsplanung zu berücksichtigen sein.
Gerade die Verbindung aus fachlich anspruchsvollen Beiträgen, praktischen Erfahrungen und persönlichen Begegnungen macht den besonderen Charakter der DSIV-Veranstaltungen aus.

DSIV Vorstand Jan Sundermann (Jacob Söhne GmbH & Co. KG) im Austausch mit Joachim Paulini (Bühler GmbH) v.l.nr.

Carlo Saling (Rembe GmbH) und Alexander Koch (TÜV Rheinland Industrie Service) v.l.n.r.

Hannover kennenlernen und den Tag gemeinsam ausklingen lassen
Nach einem intensiven Tag im Konferenzbereich bot der anschließende Stadtrundgang durch Hannover eine willkommene Abwechslung.
Unter fachkundiger Führung lernten die Teilnehmer die Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Der Rundgang endete pünktlich im Brauhaus Ernst August, wo die Gruppe den Abend in geselliger Runde fortsetzte.
Bei zahlreichen Gesprächen, angeregten Diskussionen und in heiterer Atmosphäre fand der Tag einen gelungenen Abschluss. Dabei zeigte sich erneut, dass der persönliche Austausch auch außerhalb des offiziellen Fachprogramms ein wesentlicher Bestandteil des DSIV-Netzwerks ist.

Fazit: Der DSIV-Tag der Filtertechnik 2026 verband fundiertes Fachwissen mit praktischen Erfahrungen und intensivem Networking. Das große Interesse, die engagierten Referenten und die lebhaften Diskussionen bestätigten den Wert dieses Veranstaltungsformats. Zugleich lieferte der Tag wichtige Anregungen für die weitere Gestaltung zukünftiger DSIV-Fachveranstaltungen. Wer bei den kommenden Veranstaltungen dabei sein möchte, sollte sich angesichts der hohen Nachfrage rechtzeitig einen Platz sichern.

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